{"id":820,"date":"2012-10-28T13:59:04","date_gmt":"2012-10-28T11:59:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.foto.lamker.de\/?p=820"},"modified":"2012-10-28T14:10:29","modified_gmt":"2012-10-28T12:10:29","slug":"online-beteiligung-und-diskussionen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.foto.lamker.de\/?p=820","title":{"rendered":"Online-Beteiligung und Diskussionen"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor wenigen Jahren galt das Internet als Allheilmittel, wenn es darum geht, viele Menschen zu erreichen. Und fast noch mehr, wenn es darum geht, viele Menschen auch aktiv an Diskussionen zu beteiligen. Dabei sollte es um politische Themen und Diskussionen ebenso gehen wie um konkrete Planungs- und Bauvorhaben, um kleine Aufgaben vor Ort bis zu Themen von nationaler und internationaler Tragweite.<\/p>\n<p>Heute zeigen sich aber immer mehr die Grenzen des Internets als Diskussions- und Beteiligungsplattform. W\u00e4hrend Wikipedia mindestens nach au\u00dfen gut funktioniert und das auch f\u00fcr eine Vielzahl anderer Plattformen gilt, so stehen daneben auch fast \u00fcberall offensichtliche Schwierigkeiten mit einer bestimmten Nutzergruppe. Diese kann noch harmlos als DAU (D\u00fcmmster Anzunehmender User), Super-DAU oder Troll bezeichnet werden. Oder auch mit weiteren eher beleidigenden Begriffen wie Querulant. Ihnen gemein ist, dass die Teilnahme an Diskussionen und Kommentaren bei weitem nicht so gleichm\u00e4\u00dfig und demokratisch ist, wie es nach au\u00dfen verk\u00fcndet wird. Theoretisch mitmachen kann jeder. Wie in der realen Welt \u00fcbernimmt aber eine bestimmte Gruppe schnell die Meinungsf\u00fchrerschaft und dr\u00e4ngt andere an den Rand der Diskussion.<\/p>\n<figure id=\"attachment_823\" aria-describedby=\"caption-attachment-823\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-823\" title=\"Wohin soll die Reise gehen?\" src=\"http:\/\/www.foto.lamker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMGP1474_PENTAX-Optio-W60_2012-500x375.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"http:\/\/www.foto.lamker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMGP1474_PENTAX-Optio-W60_2012-500x375.jpg 500w, http:\/\/www.foto.lamker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMGP1474_PENTAX-Optio-W60_2012-133x100.jpg 133w, http:\/\/www.foto.lamker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMGP1474_PENTAX-Optio-W60_2012-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.foto.lamker.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMGP1474_PENTAX-Optio-W60_2012.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-823\" class=\"wp-caption-text\">Wohin soll die Reise gehen? (in Dar es Salaam)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Thema wurde beispielsweise in der letzten Zeit aktiv thematisiert von Markus Beckedahl (Artikel &#8222;Argumentiert, p\u00f6belt nicht herum&#8220; in DIE ZEIT v. 31.08.2012, S. 13) oder von Kai Biermann (Artikel &#8222;Wie viel Freiheit brauchen Kommentare?&#8220; in ZEIT ONLINE v. 24.08.2012, <a title=\"ZEIT ONLINE\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/internet\/2012-08\/netzpolitik-kommentare\" target=\"_blank\">http:\/\/www.zeit.de\/digital\/internet\/2012-08\/netzpolitik-kommentare<\/a>).<\/p>\n<p>Ich habe selbst knapp 10 Jahre lang (bis 2010) die Diskussionsplattform <a title=\"DigitalFotoNetz.de\" href=\"http:\/\/www.digitalfotonetz.de\" target=\"_blank\">DigitalFotoNetz.de<\/a> mit ca. 9.000 Mitgliedern zur digitalen Fotografie betrieben und kenne alle beschriebenen Ph\u00e4nomene sehr gut. Das Thema Fotografie polarisiert zwar erst einmal weniger als Politik, aber auch da artet Technik schnell in Glaubensk\u00e4mpfe aus, wird schemenhaft und stammtischartig diskutiert und werden von einigen aktuelle politische Themen sehr polemisch hervorgebracht und bis an die Grenze des rechtlich erlaubten (und ggf. dar\u00fcber hinaus) \u201ediskutiert\u201c.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig tritt das Problem auf, dass mit gr\u00f6\u00dferer Nutzerzahl auch mehr &#8222;Trolle&#8220; die Diskussionen f\u00fcr sich vereinnahmen wollten und am Ende viele Themen in immer die gleiche Richtung verschoben werden. V\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, wo es mal angefangen hat oder was Ausgangsthema war. Aus einer Diskussion \u00fcber ein Objektiv wurde so schnell auch eine \u00fcber den Irak-Krieg. Und damit eine, die wiederum die meisten anderen nicht sonderlich interessiert hat, da sie sich bewusst in einem Fotografie-Forum aufhalten wollten. So sind auch einige Mitglieder \u201everloren\u201c gegangen, die viel Fachkompetenz hatten und immer sachlich weiterhelfen konnten. Und zu denen ich auf anderem Wege, teilweise wieder klassisch per E-Mail oder Telefon, bis heute Kontakt habe.<\/p>\n<p>Wie Sie es beschreiben ergeht es leider vielen (oder fast allen?) Diskussionsplattformen im Internet, sobald sie mehr als ein paar aktive Nutzer haben. Sehr schade, da ich gleichzeitig die Erfahrung gemacht habe, dass zumindest einige im realen Leben umg\u00e4nglicher sein k\u00f6nnen als in der Online-Welt. Auch wenn es die Typ-Beschreibung von Markus Beckedahl (siehe Artikel oben) sehr gut trifft. Nach meiner Erfahrung sind das meist ca. 30-50j\u00e4hrige m\u00e4nnliche Personen, die entweder freiberuflich m\u00e4\u00dfigen Erfolg haben (und sich eigentlich zu gr\u00f6\u00dferem berufen f\u00fchlen, wenn die Welt da drau\u00dfen das nur erkennen und zulassen w\u00fcrde) oder Leute, die in gro\u00dfen Firmen oder im \u00f6ffentlichen Dienst relativ abgeschieden in IT-Abteilungen oder anderen &#8222;niedrigrangingen&#8220; Service-Abteilungen ihr Dasein fristen (und f\u00fcr die das gleiche gilt). Offene Diskussionen \u00fcber Troll-Probleme, Zensur usw. verlaufen sehr hitzig. Manchmal sorgen sie tats\u00e4chlich f\u00fcr kurzfristige Ruhe. Allzu oft ist die aber dann auch nicht von langer Dauer.<\/p>\n<p>Im Blog <em>netzpolitik.org<\/em> gibt es umfangreiche Diskussionen dar\u00fcber, wie man mit Kommentarfunktionen umgehen kann (z.B. &#8222;<a title=\"Einfach mal die Kommentare schlie\u00dfen?\" href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2012\/einfach-mal-die-kommentare-schliesen\/\" target=\"_blank\">Einfach mal die Kommentare schlie\u00dfen?<\/a>&#8220; v. 20.08.2012 oder &#8222;<a title=\"Kommentarfunktion neu entwickeln\" href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2012\/kommentarkultur-neu-entwickeln\/\" target=\"_blank\">Kommentarfunktion neu entwickeln<\/a>&#8220; v. 21.08.2012). Eine echte oder praktikable L\u00f6sung zeigt sich aber auch hier nicht. Es ist sehr stark vom Einzelfall abh\u00e4ngig, was sinnvoll ist. Und es h\u00e4ngt nicht zuletzt von den zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen (insbesondere Zeit, aber auch technische M\u00f6glichkeiten) ab, was realisierbar ist. Weil es hier fehlt, finden viele Diskussionen vermutlich gar nicht online statt, sondern landen doch wieder in klassischen Offline-Veranstaltungen, wo Kontrolle und \u00dcberblick einfacher zu gew\u00e4hrleisten sind und der Blick in die Augen des Gegen\u00fcber auch die Ernsthaftigkeit einer \u00c4u\u00dferung einfacher erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>In der Stadt- und Raumplanung merke ich an vielen Stellen die Zur\u00fcckhaltung mit Online-Medien. Beteiligung hei\u00dft hier oft, Informationen online bereitzustellen und Kommentare per E-Mail, Brief oder Telefon einzufordern. Erfahrung mit der Moderation von Online-Plattformen liegt bei \u00f6ffentlichen Stellen oft nicht vor. Und gleichzeitig wenig Vertrauen oder wenig finanzielle Mittel f\u00fcr externe Dienstleister, die zur technischen Umsetzung auch gleich die Moderation und Kommunikation \u00fcbernehmen. Das ist schade, da die klassischen Beteiligungsverfahren oft nur eine bestimmte Bev\u00f6lkerungsgruppe erreicht. Allerdings ist auch nicht sicher, ob \u00fcber das Internet eine zum Aufwand passende Erweiterung tats\u00e4chlich m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Ich habe mich vor zwei Jahren dazu entschieden, die Verantwortung f\u00fcr die Plattform abzugeben. Wenn ich auch sonst viel zu tun hatte, blieb nur noch die Besch\u00e4ftigung mit diesen Problemen und wenig Zeit f\u00fcr echte Fachdiskussionen zum Thema Fotografie. Zu vielen Mitgliedern habe ich weiterhin sehr guten Kontakt und ich kann daf\u00fcr viel entspannter tats\u00e4chlich Fotografieren oder meine Ideen zu einem echten fotografischen Thema aufschreiben.<\/p>\n<p>Zum Thema Netzgesellschaft hat sich Markus Beckedahl auch ausf\u00fchrlich in einem Buch besch\u00e4ftigt: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423249250\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3423249250&amp;linkCode=as2&amp;tag=lamker-21\" target=\"_blank\">Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, B\u00fcrgerrechte und die Machtfrage<\/a>&#8220; (mit Falk L\u00fcke, dtv 2012).<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nChristian Lamker<\/p>\n<p>PS: Zu diesem Beitrag gibt es nat\u00fcrlich auch eine Kommentarfunktion. Beitr\u00e4ge m\u00fcssen aber durch mich freigeschaltet werden, da es immer wieder Spam-Bots schaffen, hier etwas einzustellen. Beitr\u00e4ge, die den Nutzungsbedingungen (siehe <a title=\"Impressum\" href=\"http:\/\/www.foto.lamker.de\/?page_id=7\" target=\"_blank\">Impressum<\/a>) entsprechen, werden aber zeitnah freigeschaltet.<\/p>\n<p><em>Hinweis: Zeitgleich ver\u00f6ffentlicht unter <a title=\"Online-Beteiligung und Diskussionen\" href=\"http:\/\/www.christian.lamker.de\/2012\/10\/online-beteiligung-und-diskussionen\/\" target=\"_blank\">www.christian.lamker.de\/2012\/10\/online-beteiligung-und-diskussionen<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Internet k\u00f6nnen alle von \u00fcberall mit allen diskutieren. 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